Smart-Meter/dynamische Stromtarife/Energy Sharing/Stromhandel

Welche Möglichkeiten ergeben sich für Sie und Gemünden? Einordung und Erfahrungsbericht von Jan Seibel

Wie funktioniert das nun mit dem günstigen Tanken? In Verbindung mit einem zeitvariablen Stromtarif hat uns unser Stromanbieter kostenlos einen Smart Meter eingebaut, dies ist ein Stromzähler der nicht einmal im Jahr abgelesen wird, sondern automatisch jede Viertelstunde. Dadurch zahlen wir in unserem Tarif am Tage 30 und in der Nacht 15 Cent je kWh für zugekauften Ökostrom, unabhängig davon ob der Strom ins Auto fließt oder in sonstige Verbraucher im Haus, wie z.B. unsere Wärmepumpe, wir haben auch nur einen Zähler. Solche Lastanpassungen helfen auf der Nachfrageseite bei der Verbesserung der Netzauslastung. Bei einem Verbrauch des E-Autos von 17,5 kWh je 100 km ergibt das 2,63€ je 100 km wenn wir nachts laden. Während der Verbrenner bei einem Verbrauch von 6 Liter je 100 km bei angenommenen 1,70€/ Liter rund 10€ je 100 km kostet, also fast das 4-fache. Wir fahren also unser Auto für umgerechnet max. 0,45€/ Liter Sprit und das nicht erst seit der Blockade der Straße von Hormus! In Gemünden waren zuletzt von den 2474 privat zugelassenen PKW 67 rein Elektrische, dabei würden viele über einen eigenen Stellplatz zum Laden verfügen.

Wenn man noch eine PV-Anlage hinzu nimmt, sinken die Verbrauchskosten von Frühling bis Herbst darüber hinaus nochmals. Wer perspektivisch keine PV-Anlage installieren kann, aber trotzdem profitieren möchte, für den gibt es Angebote einer Smart Meter Installation in Verbindung mit einem Stromspeicher, den der Anbieter zum Stromhandel nutzt. Z.B. ein einmaliges Invest von 2000,- für im Gegenzug 2000 kWh pro Jahr kostenlosen Strom für 10 Jahre.

Für eine weitere Neuerung ist ein Smart Meter ebenso Voraussetzung, das Energy Sharing. Dabei können wir im Gemündener Netzgebiet (ab 2028 auch in angrenzende Netzgebiete) unseren überschüssigen Strom einander verkaufen. Wenn jemand also mehr Strom erzeugt als er selbst verbraucht, kann er diesen über das öffentliche Netz jemand anderem abgeben. Mengen und Preise sind frei vereinbar. Laut Bundesnetzagentur sollen die Stromanbieter diese Dienstleistung anbieten können, es besteht aber keine Pflicht. Also Augen auf beim Stromanbieter. So kann die in Gemünden erzeugte Energie künftig auch stärker in Gemünden genutzt werden. Das Netz wird stabilisiert, die Netzentgelte könnten perspektivisch sinken und so den Strom billiger machen. Eine intelligente Nutzung selbst erzeugter günstiger Energie.

Die EGF plant bis 2032 17700 digitale Stromzähler einzurichten, dabei erhalten Verbraucher unter 6000 kWh/ Jahr nur eine moderne Messeinrichtung ohne Kommunikationsmodul, also keinen Smart Meter. Nur Verbraucher ab 6000 kWh/ Jahr und PV-Anlagenbetreiber sollen bis dahin einen Smart-Meter erhalten. Wer nun trotzdem die Vorteile nutzen, aber nicht zu den Großverbrauchern oder -erzeugern gehört oder einfach nicht so lange warten möchte, der hat die Möglichkeit seinen Messstellenbetreiber frei zu wählen und sich wie oben beschrieben einen Smart-Meter einbauen zu lassen.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne persönlich und unter info@w-gem.de zur Verfügung.

Autor: Jan Seibel
Donnerstag, 20.08.2026